20. Minisymposium am 23.01.2008

Schreiben und Schweigen über die Natur. Vom umweltgeschichtlichen Quellenwert historisch-topographischer Literatur der Frühen Neuzeit 

Vortrag: Dr. Martin Knoll
Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Neuere Geschichte/Schwerpunkt Stadt- und Umweltgeschichte, Technische Universität Darmstadt.

Historisch-topographische Literatur erfreute sich in der Frühen Neuzeit großer Popularität. Ihre Gattungsgeschichte in dieser Zeit ist eng verwoben mit Übergangs- und Formationsprozessen, deren Bedeutung in der verfassungsgeschichtlichen, aber auch in der kunst-, wissenschafts- und umwelthistorischen Forschung betont wird. Man denke an die Entwicklung frühmoderner Staatlichkeitoder aber die viel beschworene ‚scientific revolution' des 16. und 17. Jahrhunderts und nicht zuletzt an den engen, oft genug personalen Zusammenhang zwischen der sich methodisch formierenden Geographie und Kartographie auf der einen sowie der Landschaftskunst auf der anderen Seite.
Der Vortrag nimmt seinen Ausgangspunkt bei Werken der bayerischen Landesbeschreibung (Merian, Ertl, Wening). Meist stehen menschliche Siedlungen im Mittelpunkt der Texte und Illustrationen solcher historisch-topographischer Werke: Städte, Schlösser, Klöster etc. Informationen über die natürliche Umwelt werden dem Leser vorwiegend in Bezug auf diese Siedlungen und die dortigen Lebensbedingungen vermittelt. Daraus abzuleiten ist die Frage nach der Konzeptualisierung des Verhältnisses Gesellschaft - natürliche Umwelt. Im Vortrag wird der umwelthistorische Quellenwert der historisch-topographischen Literatur diskutiert. Dabei kommt u. a. die rhetorische Abhängigkeit der Thematisierung oder Nicht-Thematisierung naturaler Faktoren von den jeweiligenDarstellungsinteressen zur Sprache. Auch ein möglicher diachroner Wandel des Stellenwerts von Informationen zur natürlichen Umwelt gegenüber historisch-dynastischen Wissensbeständen ist zu diskutieren. Gewinnen naturwissenschaftlich-statistische Aspekte gegenüber diesen kulturell-traditionalen Motiven an Bedeutung und wie ist dies - aus umwelthistorischer Perspektive und mit Blick auf die umwelthistorische Analyse der Quellengattung - bewerten?

Zur Person: Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Regensburg, Magisterexamen 1997, Staatsexamen für das gymnasiale Lehramt 1998, Promotion 2003 mit einer Arbeit über die landesherrliche Jagd Kurbayerns im 18. Jahrhundert. 2001-2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere Geschichte der Universität Regensburg, 2004-2007 Wissenschaftlicher Assistent ebendort. Seit 1. Oktober 2007 Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Neuere Geschichte/Schwerpunkt Stadt- und Umweltgeschichte der Technischen Universität Darmstadt. Laufendes Habilitationsprojekt: "Studien zum Bild von Territorium, Siedlung und Umwelt in der historisch-topographischen Literatur der Frühen Neuzeit." Zusammen mit Verena Winiwarter Autor des Studienbuchs "Umweltgeschichte. Eine Einführung" (2007).

Place / Ort: Universität Wien - Institut für Geschichte, HS 45
Time / Zeit: Mittwoch, 23. Jänner 2008, 18:00 - 20:00 Uhr (Achtung anderer Ort!)

In Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Universität Wien